Unser Brauchtum
Eine Tradition, die von den Hütejungen ausging, fast vergessen war, und heute wieder lebt.
Woher das Goiselknallen kommt
Wie in vielen Dörfern hat sich auch in Neuler der Brauch unter den Hütejungen verbreitet. Sie hüteten den ganzen Sommer über das Vieh auf der Weide, und übten dabei mit ihren Goiseln, damit es nicht langweilig wurde. Im Herbst, wenn das Vieh nicht mehr auf die Weide kam, knallten sie durchs Dorf: um die Bauern an ihren Lohn zu erinnern, und ein bisschen auch, um den Mädchen aufzufallen.
Ähnliche Bräuche gibt es in vielen Regionen: das Aperschnalzen im bayerisch-salzburgischen Rupertiwinkel, das Goaßlschnalzen in Oberbayern, das Chlöpfen in der Schweiz oder das Karbatschen an der Fasnet am Bodensee. Weil das laute Knallen als heidnischer Brauch galt, war der Dorfpfarrer darauf nicht gut zu sprechen. So geriet das Knallen fast in Vergessenheit, aber eben nur fast.
Wie es in Neuler weiterging
Wie lange die Hütejungen in Neuler schon geknallt haben, weiß niemand genau. Die ersten Fotos stammen von der 875-Jahr-Feier des Dorfes. Um 1990 hörten wir auf dem Heimweg von der Kirche einen Bauern knallen, da erinnerte sich mein Vater an den alten Brauch und ließ ihn wieder aufleben. Viele Jugendliche lernten es, und auch einige Ältere holten ihre Goisel wieder aus dem Schuppen. Daraus wurde eine Art Fest: Beim Training am Freitagabend gab es Apfelsaft und Zwiebelkuchen, und an der Kirchweih knallen wir seither jedes Jahr durchs Dorf (siehe Kirchweihroute).
Seit 2000 begeistern wir die Jugend jedes Jahr im Ferienprogramm der Gemeinde. Das Interesse ist jedes Mal groß, auch wenn die Begeisterung kurz nachlässt, wenn man die Goisel zum ersten Mal an die Ohren bekommt. Gut Ding braucht halt Weile.
Knallen heute
Das Peitschenknallen wird inzwischen als lebendiges Kulturerbe ernst genommen: Das Aperschnalzen im Rupertiwinkel steht seit 2013 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Und die Wissenschaft hat den Peitschenknall längst entschlüsselt, die Spitze der Goisel wird schneller als der Schall. Wie das funktioniert, erklären wir unter Wissenschaft; die aktuellen Guinness-Rekorde stehen unter Rekorde.
Was unsere Goiseln besonders macht: Sie werden aus Stricken gebunden, nicht aus Leder geflochten. Deshalb kann sie jeder selbst bauen, wie, zeigen wir Schritt für Schritt unter Goiselbau.
Wusstest du? Das Wort „Goisel“ gehört zu „Geißel“, dem alten Wort für Peitsche. In Bayern und Salzburg heißt sie „Goaßl“.
Verwandte Bräuche
Peitschenknallen gibt es an vielen Orten. Die Peitschen heißen dort Goisel, Goißel, Goaßl, Geissel oder Karbatsche. Der Knall ist überall derselbe, aber Anlass, Jahreszeit und Technik unterscheiden sich.
| Brauch |
Wo |
Wann |
Besonderheit |
| Goiselknallen, Goißelpatschen |
Ostalb: Neuler, Hüttlingen, Rotenbach, Röhlingen |
Kirchweih im Oktober |
aus dem Viehhüten entstanden, lange Goiseln mit Stecken |
| Goaßlschnalzen |
Oberbayern, Tirol |
bei Festen, oft zur Blasmusik |
mehrere Schnalzer im Takt zur Musik |
| Aperschnalzen |
Rupertiwinkel und Salzburger Land |
Winter bis Fasching |
Gruppen schnalzen nacheinander im festen Takt, um den Winter zu vertreiben |
| Karbatsche |
schwäbisch-alemannische Fasnet |
Fasnet |
Narrenfiguren knallen beim Umzug |
| Schnöllen |
Fasnet (z. B. Munderkingen), Tirol |
Fasnet, Feste |
ein- und zweihändig |
| Chlöpfen, Chlauschlöpfen |
Schweiz, z. B. Lenzburg |
Advent bis Sankt Nikolaus |
Knallen um die Wette und im Takt |
| Fuhrmannspeitsche, Wettkampf |
Schwäbische Alb, z. B. Albverein Westerheim |
Sommer |
Wettbewerbe in Klassen nach Peitschenart und Länge |
| Bullwhip, Stockwhip |
USA, Australien |
Show und Sport |
kurze, schwere Lederpeitschen, Kunststücke und Rekorde (siehe Rekorde) |
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● Goisel auf der Ostalb ● Schwäbische Alb ● Fasnet ● Schweiz ● Bayern und Tirol. Die Punkte stehen auf dem Ort, nicht auf einem genauen Platz.
Mehr Gruppen mit Links stehen in unserer Linkliste.
Mitmachen
Wer Lust hat mitzuknallen oder einfach mal zuschauen will, ist herzlich willkommen, an der Kirchweih in Neuler, beim Training oder im Ferienprogramm. Fragen, Fotos, Zeitungsausschnitte oder Kritik: einfach über Kontakt melden. Ihr findet uns auch auf Facebook, YouTube und Instagram.
Viel Spaß auf der Seite!
Hier geht es weiter
- Goiselbau: Schritt für Schritt zur eigenen Goisel aus Stricken.
- Wissenschaft, warum die Peitsche knallt: Überschall, Hochgeschwindigkeitsaufnahmen, Akustik.
- Kirchweihroute, wo und wann wir an der Kirchweih in Neuler knallen.
- Bilder: Fotos seit 1988 und Zeitungsberichte.
- Rekorde, die Guinness-Weltrekorde rund um die Peitsche.
- Termine und Kontakt, mitknallen, zuschauen, Fragen stellen.